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Was kostet eine Web-App für interne Prozesse?

Realistische Preisrahmen für interne Web-Apps im Mittelstand — was Sie für 15.000, 40.000 oder 100.000 € tatsächlich bekommen.

Veröffentlicht
26. Februar 2026
Autor
Jakub Kaczor
Lesezeit
9 Min.
Aktualisiert
19. Mai 2026
Symbolbild Kosten Web-App Entwicklung

Eine Web-App für interne Prozesse kann 15.000 € kosten — oder 250.000 €. Und der Unterschied liegt nicht in der Qualität des Anbieters, sondern im Umfang, der oft erst während des Projekts klar wird. Wer vorher weiß, welche Preisbänder welche Lösung tragen, kann besser einkaufen und besser vergleichen.

Was eine Web-App eigentlich ist

Eine Web-App ist eine Anwendung, die im Browser läuft, ohne Installation auf dem Endgerät — typischerweise mit eigener Datenbank, Benutzer-Anmeldung, Berechtigungen und einer Oberfläche, die genau auf einen Anwendungsfall zugeschnitten ist. Beispiele aus unserer Praxis:

  • Auftragsmanagement für ein Lohnunternehmen.
  • Bewerbungsmanagement für eine Personalabteilung.
  • Konfigurator für ein Produkt mit vielen Varianten.
  • Internes Wissensportal mit Suchfunktion.
  • Schichtplanung für ein mittelständisches Produktionsunternehmen.
  • Wartungsplanung für eine Hausverwaltung.

Die drei realistischen Preisbänder

BandTypischer UmfangInvestition
KleinEine zentrale Funktion, ein Nutzerkreis, einfache Datenstruktur, keine externen Schnittstellen.8.000 – 25.000 €
MittelMehrere Module, Rollen und Rechte, ein bis zwei externe Schnittstellen, Reporting, mobile Optimierung.25.000 – 70.000 €
GroßKomplexes Datenmodell, mehrere Mandanten, Echtzeit-Funktionen, mehrere Schnittstellen, langfristige Roadmap.70.000 – 250.000 €

Diese Bänder sind keine Festpreise — sie sind grobe Orientierung. Zwei Web-Apps mit ähnlicher Funktion können je nach Anforderung und Methodik um den Faktor zwei abweichen.

Was den Preis treibt

1. Anzahl der „Bildschirme” (Views) Jede Maske ist Aufwand: Daten holen, anzeigen, validieren, speichern. Faustregel: 6–15 Stunden pro mittlerem Bildschirm.

2. Datenmodell-Komplexität Eine Tabelle ist eine Tabelle. Zehn miteinander verknüpfte Datenobjekte sind ein Datenmodell, das geplant werden muss — und das die Dauer überproportional erhöht.

3. Rollen und Rechte „Alle können alles sehen” ist günstig. „Sieben Rollen mit feinen Berechtigungen pro Objekt” ist erheblich teurer.

4. Schnittstellen Jede Anbindung an ein anderes System (CRM, ERP, Buchhaltung, Versandanbieter, Bezahldienste) kostet Konzeption, Umsetzung und Tests. Pro Schnittstelle: 2.000 – 15.000 €.

5. Mobile Tauglichkeit Wenn Mitarbeiter im Außendienst oder im Lager die App nutzen, ist Mobile-First-Design Pflicht — das kostet keine Verdopplung, aber relevant mehr.

6. Reporting und Auswertungen Ein Diagramm ist eine Stunde. Ein flexibler Report-Generator mit Export ist ein eigenes Modul.

7. Qualität und Tests Eine Lösung, die nur „läuft”, ist günstiger als eine, die regelmäßig getestet, dokumentiert und überwacht wird. Bei langlebigen Anwendungen lohnt sich der Mehraufwand für Tests in Monaten.

Was im Preis oft nicht enthalten ist

PostenTypische Größenordnung
Hosting und Betrieb30 – 250 € pro Monat
Pflege und Updates (Library-Updates, Sicherheits-Patches)1.500 – 6.000 € pro Jahr
Funktions-Erweiterungen nach Go-LiveAufwandsbasiert
Anwender-Schulung800 – 3.500 € einmalig
Datenmigration aus Altsystem2.000 – 10.000 € einmalig
Backup und Monitoring50 – 300 € pro Monat

Wer nur den Entwicklungspreis betrachtet, übersieht die Gesamtbetriebskosten — die über fünf Jahre oft genauso hoch sind wie die Initialentwicklung.

Drei reale Beispiele aus der Praxis

Beispiel 1 — Auftragsverwaltung für einen Dienstleister mit 12 Außendienst-Mitarbeitern

  • Eine zentrale Funktion: Aufträge anlegen, zuteilen, dokumentieren.
  • Mobile Nutzung Pflicht, Foto-Upload, GPS-Tagging.
  • Schnittstelle zur Buchhaltung.
  • Investition: ca. 32.000 € einmalig + 200 €/Monat Betrieb.

Beispiel 2 — Konfigurator für ein Maschinenbau-Unternehmen

  • Komplexes Datenmodell mit hunderten von Varianten.
  • Verbindung zum Online-Shop und zum CRM.
  • Mehrere Rollen (Vertrieb, Servicetechniker, Geschäftsführer).
  • Investition: ca. 75.000 € einmalig + 350 €/Monat.

Beispiel 3 — Internes Wissensportal mit Suchfunktion

  • 200 Mitarbeiter, klar strukturierte Inhalte.
  • Verbindung zu Microsoft 365 für Single Sign-On.
  • KI-gestützte Suche.
  • Investition: ca. 22.000 € einmalig + 180 €/Monat.

Wann eine Web-App sich lohnt — und wann nicht

Lohnt sich, wenn ein klar definierter Prozess durch eine bestehende Lösung schlecht abgedeckt ist, viele Personen denselben Vorgang ausführen, und die jährliche Zeitersparnis das Investment in 18–36 Monaten amortisiert.

Lohnt sich nicht, wenn ein Standard-Tool 80 % abdeckt und die restlichen 20 % über Workarounds abgewickelt werden können. In dem Fall: Standardlösung kaufen, Workaround dokumentieren, Geld sparen.

Häufige Fehler bei der Beauftragung

  • Keine Konzeptphase. Ohne ein durchdachtes Konzept startet das Projekt blind — und endet im Chaos.
  • Vollumfang in einer Lieferung. Big-Bang-Projekte mit drei Monaten Lieferzeit und null Zwischenständen sind ein Risiko. Iterative Lieferung in 2–4-Wochen-Schritten ist Standard guter Arbeit.
  • Code beim Dienstleister. Wenn der Quellcode nicht beim Kunden landet, ist das Lock-in. Vor Vertragsschluss klären — siehe Softwareentwicklung ohne Lock-in.
  • Keine Schulung. Eine Software, die niemand bedient, ist verbranntes Geld.
  • Keine Pflege geplant. Eine Web-App ohne Pflege wird in 24 Monaten zum Problem — Updates, Sicherheits-Patches, Library-Wechsel sind kontinuierlich.

FAQ

Können wir eine Web-App selbst entwickeln lassen, intern? Bei einem internen Entwickler mit erfahrener Methodik: ja. Ohne diese Methodik: meist nicht — selbst gute Programmierer brauchen Architektur, Reviews und QA, die in Ein-Personen-Setups schwer hineinpassen.

Geht das auch mit No-Code- oder Low-Code-Tools? Für viele Anwendungsfälle ja: Microsoft Power Platform, Bubble, Retool, Airtable + Skripte. Das ist günstiger und schneller — bringt aber Pflege- und Skalierungsgrenzen. Sinnvoll, solange der Umfang überschaubar bleibt.

Wie lange dauert die Entwicklung typischerweise? Klein: 6–12 Wochen. Mittel: 3–6 Monate. Groß: 6–18 Monate. Schneller geht — wird aber unter Druck oft auf Kosten der Qualität umgesetzt.

Was, wenn der Bedarf sich während der Entwicklung ändert? Genau dafür: iterative Lieferung. Bei sauberer Methodik sind Änderungen in jeder Iteration möglich, ohne das ganze Projekt umzuwerfen.

Wie wir das angehen

Wir starten mit einem klaren Konzept, liefern in 2–4-Wochen-Schritten und übergeben Code, Dokumentation und Lizenzen vollständig an Sie. Sie können jederzeit wechseln, das ist Teil unserer Vorstellung von „ohne Lock-in”. Mehr dazu auf Software & Web-Apps. Wenn Sie noch grundsätzlich überlegen, ob es überhaupt eine eigene Lösung sein muss, hilft Standardsoftware oder Individualsoftware.

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